Korsika 2007 - durch die Castaniccia - das Kastanienland


An diesem Morgen war mal wieder leichter Regen angesagt. Eigentlich hatten wir für diesen Tag eine Tour in die Castaniccia geplant. Nun stellten wir uns die große Frage: Sollen wir fahren oder nicht? Nach einigen Diskussionen stand fest: Bei schönem Wetter kann jeder fahren! Wir haben alles - ein gutes Motorrad, gute Kleidung, einen sehr guten Fahrer und jede Menge Abenteuerlust. Wir wollen fahren! Gesagt - getan.
Wir fuhren mal wieder zum Col de Teghime "unserem" Hausberg. Von hier aus führte eine kleine Straße um den Berg herum bis Oletta und dann weiter zum Col de S. Stefano (368m). Hier bogen wir ab Richtung Rutali auf kleinsten Sträßchen. Entgegen der Meinung unseres Campnachbarn waren es keine Schotterpisten, wenn auch keine Top-Straßen.
Da uns die D5 von unserer Tour am Tag zuvor so gut gefallen hatte, beschlossen wir diese Strasse - übrigens auch eine weiße Strasse - wieder zu fahren.
An diesem Tag forderte die Strecke Jochens ganzes Fahrkönnen. Je höher wir kamen, desto mehr Nebel umgab uns. Zum Schluss sah man keine zwei Meter weit. Fast in Schritttempo ging es voran - zum Glück, denn an einer engen Kurve kam uns wieder mal ein "Kamikaze-Korse" mit seinem Geländewagen entgegen. Da hätte kein Blatt Papier mehr zwischen Motorrad und dem Auto gepasst. Ich hörte nur Reifen quietschen. Das Motorrad schwänzelte und kam dem Abgrund zu unserer Rechten bedrohlich nahe. Wenn Jochen nicht so gut reagiert hätte, wären wir abgestürzt!
Einmal kurz durchatmen und weiter ging es. Der Nebel wurde erst besser, als wir auf der anderen Seite des Passes waren und wieder gen Tal fuhren. Während der Fahrt fiel mir der Film "Fog - Nebel des Grauens" ein. So ähnlich war der Nebel dort auch - nur anstatt der Untoten kamen uns hin und wieder Radfahrer entgegen. Denen kann es auch keinen spass gemacht haben.
In Lento bogen wir dann ab Richtung Ponte Novu um auf die N193 zu gelangen.  In Barchetta machten wir dann eine Cappuccinopause, denn die hatten wir uns nun redlich verdient. Die Kleider waren nass und aufhören mit regnen wollte es einfach nicht. Sollten wir umdrehen? Aber dafür waren wir schon zu weit von St. Florent entfernt und natürlich wollten wir endlich die Castaniccia sehen. Wir fuhren wieder an dem Fluss Golo an der N193 entlang. In Ponte Leccia bogen wir dann auf die D71 ab. Die D71 ist für uns eine der Schönsten Straßen ganz Korsikas. Es herrscht wenig Verkehr und sie schlängelt sich in in vielen Kurven immer weiter bergauf durch die Einsamkeit. Kurz vor dem Pass  (Col de Prato 986m) kommt das Dörfchen Morosaglia, auch bekannt als die Geburtsstätte von Pascal Paoli, dem berühmten Freiheitskämpfer. Als erstes fiel uns der Friedhof und davor der Hubschrauberlandeplatz ins Auge. Nebelschwaden stiegen vom dem Tal auf und wieder kam mir der besagte Film ins Gedächtnis...
Inzwischen hatte es endlich aufgehört zu regnen und wir waren mittlerweile mittendrin in der Castaniccia. Soweit das Auge reichte gab es dichte Wälder aus Kastanienbäumen mit sensationellen Ausblicken in tiefe Täler.
Im 13. Jahrhundert verordneten die damals herrschenden Genueser den Korsen jedes Jahr vier Kastanienbäume zu pflanzen. Und heute ist Korsika voll davon und die Kastanien werden zu vielerlei Dingen verarbeitet. Auch für die Schweinezucht, die es hier überall gibt. Man kann die Schweine nicht immer sehen, aber man kann sie auf jeden Fall riechen....
Hin und wieder "klebten" kleine Dörfchen an Bergspitzen. Schließlich kamen wir nach Piedicroce, der "Hauptstadt" der Castaniccia. Es bestand aus einigen wenigen Häusern, einem Gasthaus und einer Kirche. Die Ruine im Bild rechts wurde 1943 von den Deutschen zerstört und vermint und noch heute darf man das Gelände nicht betreten. Von hier oben hat man eine tolle Aussicht in das Tal.
In vielen Kurven ging es mal rauf und dann wieder runter. In San Nicolao wechselten wir auf die D330, die auch Corniche de Castaniccia genannt wird. Die D330 führte durch üppiges Waldgebiet mit zwei in den massiven Fels gehauenen Tunnels und dazwischen einem urigen Wasserfall, dem Cascade de L'Uceluline, bis wir schließlich in Casamozza auf die N193 kamen.. Dieser folgten wir bis zum Abzweig D82 - einer neuen gut ausgebauten Straße mit weiten Kurven. Da wir zügig vorankamen, bogen wir mutig auf die D62 ein. Diese Straße hatten wir sehr unterschätzt, war aber landschaftlich super schön. Wir fuhren an kleinen Dörfern wie Sorio und Pianello vorbei. Die Kurven waren eng, die Straße schmal und St. Florent wollte und wollte am Horizont nicht auftauchen. Mittlerweile mußten wir wieder öfters "Fotopausen" einlegen um die Beine zu vertreten. Die Honda ist für 2 Personen nicht unbedingt bequem für so viele Kilometer. Die Uhr war schon ziemlich fortgeschritten als wir am Campingplatz ankamen.... Ein langer ereignisreicher Fahrtag neigte sich dem Ende zu. Wir hatten an diesem Tag viel erlebt, wunderschöne Landschaften gesehen - und spätestens jetzt hatten wir uns in Korsika verliebt.

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Morosaglia im Nebel
vor dem Friedhof von Morosaglia
Pedicroce

mitten in der Castaniccia

Ziegenherde kehrt heim
Castaniccia
©Andrea Böhm & Jochen Brett                  mailto: Andrea & Jochen         www.fernweh-jochen-andrea.de