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An diesem Morgen war mal wieder
leichter Regen angesagt. Eigentlich hatten wir für
diesen Tag eine Tour in die Castaniccia geplant.
Nun stellten wir uns die große
Frage: Sollen wir fahren oder nicht? Nach einigen Diskussionen
stand fest: Bei schönem Wetter kann jeder fahren!
Wir haben alles - ein gutes Motorrad, gute Kleidung, einen
sehr guten Fahrer und jede Menge Abenteuerlust. Wir
wollen fahren! Gesagt - getan.
Wir fuhren mal wieder zum Col de Teghime "unserem" Hausberg.
Von hier aus führte eine kleine Straße um den
Berg herum bis Oletta und dann weiter zum Col de S. Stefano
(368m). Hier bogen wir ab Richtung Rutali auf kleinsten
Sträßchen. Entgegen der Meinung unseres Campnachbarn
waren es keine Schotterpisten,
wenn auch keine Top-Straßen.
Da uns die D5 von unserer Tour am Tag zuvor so gut gefallen
hatte, beschlossen wir diese Strasse - übrigens auch eine
weiße
Strasse - wieder zu fahren.
An diesem Tag forderte die
Strecke Jochens ganzes Fahrkönnen. Je höher wir kamen,
desto mehr Nebel umgab uns. Zum Schluss sah man keine zwei
Meter weit. Fast in Schritttempo ging es voran - zum Glück,
denn an einer engen Kurve kam uns wieder mal ein "Kamikaze-Korse"
mit seinem Geländewagen entgegen. Da hätte
kein Blatt Papier mehr zwischen Motorrad und dem Auto gepasst.
Ich hörte nur Reifen quietschen. Das Motorrad schwänzelte
und kam dem Abgrund zu unserer Rechten bedrohlich nahe. Wenn
Jochen nicht so gut reagiert hätte, wären wir abgestürzt!
Einmal kurz durchatmen und weiter ging es. Der Nebel wurde erst
besser, als wir auf der anderen Seite des Passes waren
und wieder gen Tal fuhren. Während der Fahrt fiel mir
der Film "Fog
- Nebel des Grauens"
ein. So ähnlich war der Nebel dort auch - nur anstatt
der Untoten kamen uns hin und wieder Radfahrer entgegen. Denen
kann es auch keinen spass gemacht haben.
In Lento bogen wir dann ab Richtung Ponte Novu um auf die N193
zu gelangen. In Barchetta machten wir dann eine Cappuccinopause,
denn die hatten wir uns nun redlich verdient. Die Kleider waren
nass und aufhören mit regnen wollte es einfach
nicht. Sollten wir umdrehen? Aber dafür waren wir schon zu
weit von St. Florent entfernt und natürlich wollten wir endlich
die Castaniccia sehen. Wir fuhren wieder an dem Fluss Golo an
der N193 entlang. In Ponte Leccia bogen wir dann auf die D71 ab.
Die D71 ist für uns
eine der Schönsten Straßen ganz Korsikas. Es herrscht wenig
Verkehr und sie schlängelt sich in in vielen Kurven immer
weiter bergauf durch die Einsamkeit. Kurz vor dem Pass (Col
de Prato 986m) kommt das Dörfchen Morosaglia, auch
bekannt als die Geburtsstätte von Pascal Paoli, dem berühmten
Freiheitskämpfer. Als
erstes fiel uns der Friedhof und
davor der Hubschrauberlandeplatz ins Auge. Nebelschwaden stiegen
vom dem Tal auf und wieder kam mir der besagte Film ins Gedächtnis...
Inzwischen hatte es endlich aufgehört
zu regnen und wir waren mittlerweile mittendrin in der Castaniccia.
Soweit das Auge reichte gab es dichte Wälder aus
Kastanienbäumen
mit sensationellen Ausblicken in tiefe Täler.
Im 13. Jahrhundert verordneten
die damals herrschenden Genueser den Korsen jedes
Jahr vier Kastanienbäume zu pflanzen. Und heute ist Korsika voll
davon und die Kastanien werden zu vielerlei Dingen verarbeitet. Auch
für die Schweinezucht, die es hier überall gibt. Man kann die Schweine
nicht immer sehen, aber man kann sie auf jeden Fall riechen....
Hin und wieder "klebten"
kleine Dörfchen an Bergspitzen. Schließlich kamen
wir nach Piedicroce,
der "Hauptstadt" der Castaniccia. Es bestand aus einigen
wenigen Häusern, einem Gasthaus und einer Kirche. Die Ruine
im Bild rechts wurde 1943 von den Deutschen zerstört und
vermint und noch heute darf man das Gelände nicht betreten.
Von hier oben hat man eine tolle Aussicht in das Tal.
In vielen Kurven ging es mal rauf
und dann wieder runter. In San Nicolao wechselten wir auf die
D330, die auch Corniche de Castaniccia genannt
wird. Die D330 führte
durch üppiges Waldgebiet mit zwei in den massiven Fels gehauenen
Tunnels und dazwischen
einem urigen Wasserfall,
dem Cascade de L'Uceluline, bis
wir schließlich in Casamozza auf die N193 kamen..
Dieser folgten wir bis zum Abzweig D82 - einer neuen gut ausgebauten
Straße mit weiten Kurven. Da wir
zügig
vorankamen, bogen wir mutig auf die D62 ein. Diese Straße
hatten wir sehr unterschätzt, war aber landschaftlich
super schön. Wir fuhren
an kleinen Dörfern wie Sorio und Pianello vorbei. Die Kurven
waren eng, die Straße schmal und St. Florent wollte und
wollte am Horizont nicht auftauchen. Mittlerweile mußten
wir wieder
öfters "Fotopausen" einlegen um die Beine zu vertreten.
Die Honda ist für 2 Personen nicht unbedingt bequem für
so viele Kilometer. Die Uhr war schon ziemlich fortgeschritten
als wir am Campingplatz ankamen.... Ein langer ereignisreicher
Fahrtag neigte sich dem Ende zu. Wir hatten an diesem Tag viel
erlebt, wunderschöne Landschaften
gesehen - und spätestens jetzt hatten wir uns in Korsika
verliebt.
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