Wie immer hatten wir keinen
festen Plan von unserer Reise in
der Tasche. Der einzige feste Termin
war unser 1. Arbeitstag nach dem
Urlaub und der lag zum Glück
noch fern. Da wir bislang nur den
Norden Italiens von unseren früheren
Reisen kannten, beschlossen wir
auf eigenen Rädern
step by step nach Hause zu fahren.
So fuhren wir mit der Fähre
von Messina aufs Festland. Die Überfahrt
dauerte nicht lange - ich glaube
es waren ca. 20 Minuten.
Dort angekommen,
fuhren wir ein Stück auf
der Autobahn gen Norden. Teilweise
führte die Strasse über schwindelerregend
hohe Brücken, dann
wieder durch lange Tunnels. Die
Landschaft war bergig und es wurde
nicht langweilig. Nach ca. 30 Kilometer
verließen
wir die Autobahn - und suchten
lieber wieder die kleinen Straßen,
die am Meer entlang führten.
Wir kamen vorbei an verschlafenen
Küstenstädtchen
wie Scilla,
schönen menschenleeren Stränden
und immer schien die Sonne. Schließlich
landeten wir in
Tropea.
Tropea zählt aufgrund seiner Lage
und der gut erhaltenen Altstadt zu den beliebtesten
Urlaubszielen Kalabriens und den schönsten Orten
der italienischen Mittelmeerküste. Trotz seiner
Beliebtheit hat es jedoch Ursprünglichkeit bewahrt
und ist bisher vom Massentourismus verschont geblieben.
Die Altstadt Tropeas lädt mit seinen zahlreichen
Cafés, kleinen Boutiquen und typisch italienischen
Gassen zum Flanieren und Verweilen ein. In der Umgebung
gibt es zahlreiche kleine Buchten und weiße Sandstrände
sowie eine große Vielfalt an Freizeit- und Unterhaltungsmöglichkeiten,
die das Tourismusangebot abrunden.
Das
wußten wir aber zu diesem
Zeitpunkt noch nicht. Schnell
war eine Unterkunft gefunden - es war das Albergo
K2 Nazionale inmitten der Stadt. Nichts Besonderes,
aber ok.
Mit Einbruch der Dunkelheit fand in dem Ort
eine riesige Prozession statt wo einem Schutzheiligen
gehuldigt wurde. Die halbe Stadt war auf
den Beinen und alle Strassen waren für den
Verkehr gesperrt. Die ganze Nacht wurde gefeiert.
Wir schlossen uns der Festivität
kurzerhand an. Spät
gingen wir in dieser Nacht zu Bett.
Am nächsten Tag erkundeten wir die nähere Umgebung
mit dem Motorrad und entdeckten Tropea bei Tag. Das Städtchen
gefiel uns - vorallem die engen Gässchen, das gepflegte
Ambiente und die schönen Restaurants.
Ein Tag faulenzen, dann ging es weiter gen Norden. An diesem
Tag fuhren wir auf kleinsten Straßen im Landesinneren durch
Kalabrien. Diese Region war nicht vom Reichtum gesegnet und schien ärmer
als Sizilien zu sein - aber nicht minder schön an grüner Landschaft.
An den Straßenrändern
wurde oftmals Selbstgemachtes angeboten und hin und wieder verfolgte
uns kläffend eine Hundemeute.
Wir kamen vorbei an kleinen Seen, alten Gehöften und einsamen
Dörfchen. Hier scheint die Zeit stehen geblieben
zu sein.
Gegen Abend trafen wir in Altomonte ein.
Es war eine kleine Stadt an einen Hang gebaut.
Wir suchten eine Unterkunft für die Nacht und fanden schließlich
im oberen Teil der Stadt das Hotel "de Marco". Die
Betreiber waren wohl (noch) nicht auf Gäste eingestellt.
Sie gaben uns zu verstehen, dass
das Restaurant eigentlich (noch) geschlossen sei, wir aber dennoch
eine Kleinigkeit - a la mama - zu essen bekommen würden,
allerdings mußten wir hier Vorauskasse leisten. Wir wurden
mit einem ein 3-Gänge-Menue
überrascht und es schmeckte vorzüglich. Damit hatten wir
nicht gerechnet.
Die
Zimmer waren einfach, aber ok. Am Abend saßen wir auf
unserem Balkon mit einem guten Rotwein und konnten weit über
die Stadt blicken. In der Ferne hörte man Hundegebell und über
unsere Köpfe hinweg schwirrten
hin und wieder Fledermäuse. Hier war das echte Italien.
Nach einem guten Frühstück erkundeten wir mit unserem
Motorrad die Gegend. Am Abend gingen wir in der
Pizzeria "da Grotta" in der Stadt essen.
Von hier aus konnten wir bestens die Dorfjugend auf
ihren Moppeds beobachten.
Kalabrien ist auf jeden Fall eine eigene Reise
wert.